Notarberuf

Der Beruf des deutschen Notars – ein Auslaufmodell?

„My admission expires on …“ (Datum), Unterschrift. Stempel. Das wars. Kosten: Damals waren es 2 Dollar für eine Beurkundung, dürfte sich nicht wesentlich geändert haben. Das waren feststehende Gebühren, und man erhob nicht mehr und nicht weniger.

So sieht eine Notarisierung in den USA aus. Als ehemaliger Notary Public des Staates North Carolina weiss ich das. Zwei Abendkurse, dann ein Test, wobei man die Ergebnisse mit seinem Banknachbarn austauschte und gegenseitig korrigierte. Fertig. Man überprüft die Identität des Unterschreibenden, läßt sich den Ausweis zeigen. Punkt. Basta. Wir hatten alle den Kurs bestanden. Keine Ahnung, was man machen muß, um da durchzufallen!

Das schöne geschwungene Diplom wollte ich in meinem kleinen Büro aufhängen. Am nächsten Tag hatte es meine (amerikanische, geschiedene) Frau wieder heimlich abgehängt. Sie schämte sich dafür. Notary Public ist in den USA der Friseur, der Taxifahrer, die Sekretärin, der Schuhputzer oder sonst jemand auf der untersten Stufe der Einkommensliste. Nichts zum Vorzeigen. Irgend ein Vater eines Präsidenten der USA soll angeblich mal Notary Public gewesen sein. Big deal.

Wat dem eenen sin Uhl, is dem andern sin Nachtigall.

In Deutschland gehören Notare immer noch zu den mit am besten verdienenden Berufen, etwa vergleichbar mit Richtern, und erwarten es, mit Hofknicks und großem Tatü Tata die Aufwartung zu bekommen. Bei jeder Grundstücksübertragung schöpfen sie irrsinnige Summen ab, weil sich ihre Bezahlung starr nach den Gegenstandswerten richtet.

Zu Recht?

Wohl kaum. Das, was die Notare da für die Wirtschaft beitragen, ist wohl kaum eine echte Wertschöpfung. Im Gegenteil. Dadurch, daß bei jeder Übertragung von Immobilien und sonstigen größeren Unternehmenstransaktionen die Notarkosten draufgeschlagen werden müssen, tragen sie – Seite an Seite mit dem Finanzamt – maßgeblich dazu bei, daß auf die Dauer die Werte vollkommen unverhältnismäßig überteuert werden, ohne daß echt etwas dahinter steht.

Und die „Schutzfunktion“ der Notare?

Gut, es mag manchmal vorkommen, daß die Leute besonders geschützt werden müssen. Das deutsche Recht geht aber hier immer noch grundsätzlich von dem voll und ganz unmündigen, schutzbedürftigen Bürger aus. Daher werden den Bürgern die Notare aufgedrängt, ob sie es wollen oder nicht. Wir haben es also insgesamt mit einem Stück fehlender Selbstbestimmung und Selbstverantwortung zu tun.

Außerdem: Der deutsche Notarvertrag wird üblicher Weise exzessiv mit „bells and whistles“, zu deutsche Glöckchen und Pfeifchen, versehen, die ausschließlich dem Schutz des Notars selbst dienen. So dass, im Falle eines Falles, wenn ein Fehler gemacht wird, der Notar dann darauf hinweisen kann, dass er ja auf das Risiko hingewiesen hat, und deshalb keineswegs hafte, vergleiche Klausel Xyz. Das nenne ich aber nicht wirklich einen sinnvollen Schutz.

Wer geschützt werden möchte, und bereit ist, dafür zu bezahlen, kann ja (z.B.) einen auf Immobilien spezialisierten Anwalt hinzuziehen.

Und/ oder er kann auch einen staatlich geprüften „real estate appraiser“ beauftragen, also einen Sachverständigen in Immobiliensachen. Das ist jemand, der ein unabhängiges Wertgutachten anfertigt, und dabei auch auf Dinge wie verborgenen Schwammbefall des Gebäudes etc. aufmerksam machen kann.

In den USA entscheidet aber erst einmal der Bürger, ob er überhaupt geschützt werden möchte. Das sollte in Deutschland auch so sein. Mündigkeit bedeutet auch, zuerst einmal über das Risiko selbst entscheiden zu dürfen, das man eingehen möchte, oder auch nicht.

Und bei vielen Immobiliengeschäften geht es häufig sowieso nur um „Oma“-Übertragungen, da brauchen wir keine Notare.

Oder, vielmehr: die Bestätigung: meine Zulassung erlischt am … Datum und Unterschrift, dürfte da vollkommen ausreichen.

Copyright im März 2011
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