Herzlose Verteilung von Spenderherzen und Stammzellenforschung

Mit einer gräßlichen Entscheidung mussten sich die deutschen Behörden und Gerichte vor kurzem beschäftigen *1):

Als bei einem bereits auf der Warteliste für eine Herztransplantation befindlichen Kind (Stichwort Muhammet stirbt) ein Hirnschaden festgestellt wird, und die deutschen Ärzte diagnostizieren, daß deshalb das Kind auch bei einer erfolgreichen Herzplantation taub sein wird, gelähmt und auf ein Beatmungsgerät angewiesen, wird das Kind von der Warteliste für eine Transplantation genommen und stirbt.

Die offizielle, u.a. auch von der Bundesärztekammer vertretene Begründung lautete, daß dann, wenn neben dem zu ersetzenden Organ ein weiteres geschädigt ist, das dadurch erhöhte Operationsrisiko ein tatsächliches und rechtliches Hindernis für eine Transplantation ist. Es wurde darauf hin gewiesen, daß dann, wenn einem ein Spenderherz zugewiesen wird, ein anderer dafür sterben muss.

Inhaltlich soll zu dieser grausamen, ethisch zweifelhaften Entscheidung zwischen zwei Menschenleben nicht Stellung genommen werden.

Das Augenmerk sei vielmehr auf ein ganz anderes Dilemma gerichtet, nämlich auf das der Stammzellenforschung:

Mithilfe der Stammzellenforschung wird es nämlich früher oder später möglich sein, wenn es das nicht schon ist, ganze Organe nachzuzüchten, ohne daß irgend jemand dafür sterben müsste *2).

Wenn dadurch, daß die progressive medizinische Grundlagen-Forschung in Deutschland weiterhin wie bisher mit vorgeschobenen oder auch echten ethischen Bedenken boykottiert wird, und deshalb Menschen nicht operiert werden können und sterben müssen, dann dürfen sich die deutschen Politiker früher oder später die hier in Wahrheit stattfindende, und noch viel häßlichere Entscheidung auf die Visitenkarte schreiben:

Es werden nämlich durch zu viel Ethik Menschen zum Tode verurteilt, weil man dem Schutz von nicht einmal existentem, künstlich gezüchtetem Gewebe Ihnen gegenüber den Vorrang einräumt!

Bei allem Respekt auch vor dem ungeborenen Leben: Wenn es darum geht, Gewebe gegen das Leben von vollständigen Menschen abzuwägen, sorry, dann habe ich keinerlei Verständnis für solch eine komische Ethik. Man kann vor lauter Ethik leicht übersehen, daß es hier um Menschenleben geht.

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*1) https://de.nachrichten.yahoo.com/blogs/reingezoomt/dieser-junge-stirbt-an-vorschriften-und-paragrafen-134159091.html

*2) http://www.planet-wissen.de/natur_technik/forschungszweige/Stammzellen/heilen_mit_stammzellen.jsp

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Ein Kommentar zu Herzlose Verteilung von Spenderherzen und Stammzellenforschung

  1. helmutbeck sagt:

    Solange die Ethik von dubiosen religiösen Vorstellungen geprägt ist wird es immer wieder zu solch obscuren Vorgängen kommen.

    Als ich Nierenversagen hatte und auf die Warteliste kommen sollte wurde ich auf Herz und Nieren geprüft. Sobald man irgendwo eine gesundheitliche Schwachstelle hat kommt man aus diesem Grunde nicht auf die Warteliste und erhält deshalb kein Transplantationsorgan. Das ist tatsächlich so Gesetz. Und gerade weil die religiösen Menschen eine etwas seltsame Ethik haben sind die Organe so knapp. Eine Widerspruchsregelung wäre weitaus vernünftiger als die heutige Regelung. Aber die Toten sind nach wie sehr heilig, die Lebenden eher nicht.

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