Willkür bei der Bewertung von Prüfungsleistungen?

(zugesandter Text, Anfrage etwas gekürzt und anonymisiert von der Redaktion)

… bei diesem Telefonat sagten Sie, dass Sie meinen Fall kostenlos auf Ihrer Internetseite veröffentlichen, wenn ich Ihnen eine Schilderung zuschicke. Sie sagten auch, dass Sie Kontakt herstellen, wenn sich jemand auf den Artikel hin meldet. Können Sie bitte den Text, den ich Ihnen im Anhang im doc- und im pdf-Format schicke, auf Ihrer Internetseite veröffentlichen?

Mit freundlichen Grüßen
Vorname, Nachname

Zugesandter Text: (nur der Anonymisierung dienende Korrekturen oder Änderungen)

Ein Fall von Justizwillkür

In den Fächern Latein und Altgriechisch habe ich das Referendariat für Gymnasien absolviert. Meine Ausbilder und Prüfer haben mir ununterbrochen angebliche Fehler untergeschoben.

Ich habe unzählige schriftlich vorliegende Belege für die Fehlbeurteilung beim Verwaltungsgericht eingereicht. Während der schriftlichen Auseinandersetzung im Gerichtsverfahren leugneten die Prüfer allereinfachste wissenschaftliche Grundregeln, widersprachen sich selbst und gaben sogar selbst unfreiwillig zu, dass ihre Benotung falsch war. Prüfer und Prüfungsamt schrieben häufig „Kandidat versteht nicht“, ohne diese Behauptung zu begründen. In meinen Schreiben habe ich das Gericht mehrfach auf all das hingewiesen. Für die falsche Benotung nenne ich einige wenige aus unzähligen Beispielen:

Mein Fachleiter für Latein behauptete in seiner Beurteilung meiner zweijährigen Seminarausbildung, ich hätte in einer Fußnote eine Seitenzahl falsch angegeben. Er folgerte daraus, dass ich nicht wissenschaftlich arbeiten könne. Eine so weitreichende Folgerung ist ein Beleg für Mobbing. Zudem stimmte seine Behauptung nicht, die Seitenzahl sei falsch. Er selbst hatte eine falsche Seitenzahl angegeben.

Die Prüfer haben im Prüfungsprotokoll zu der Lateinstunde, die ich im Staatsexamen gehalten habe, behauptet, ich hätte die Schüler überfordert. In der schriftlichen Auseinandersetzung im Gerichtsverfahren hat die Prüfungskommission versehentlich meinen Arbeitsauftrag an die Schüler zitiert, der beweist, dass ich die Schüler nicht überfordert habe.

Die Prüfungskommission hat ohne Begründung behauptet, ich hätte den Text der Griechischstunde falsch interpretiert. Nach geltendem Prüfungsrecht hätten die Prüfer meine Interpretation, die ich durch verschiedene Literaturstellen belegt habe, gelten lassen müssen. Ganz davon abgesehen hat die Prüfungskommission nicht verraten, wie sie den Text interpretiert hätte und was ich falsch gemacht haben soll.

In der Gerichtsverhandlung, auf die ich nach Einreichung meiner Klage fast zwei Jahre warten musste, hatte ich keine Chance. Die Richterin ließ keine Diskussion über Sachfragen zu. Die Prüfer waren nicht anwesend. Der anwesende Vertreter des Prüfungsamtes musste sich nicht äußern. Aus meinem schriftlichen Konzept für die Verhandlung durfte ich nur einen ganz kleinen Teil kurz ansprechen. Die Richterin sagte, sie könne mein Konzept auch zu Hause lesen und sie werde es bei der Urteilsfindung berücksichtigen. Entgegen ihrer Ankündigung hat sie es nicht berücksichtigt. In einem Punkt, den ich erwähnen durfte, gab die Richterin mir während der Verhandlung sogar Recht (siehe oben, Beispiel Überforderung). In ihrem Urteil hat sie ignoriert, dass sie mir in der Verhandlung Recht gegeben hatte.

Die Richterin hat ihr Urteil zugunsten der Prüfer formuliert. Sie hat von den zwölf Texten, die ich während der schriftlichen Auseinandersetzung an das Gericht eingereicht hatte, ohne Begründung nur die ersten beiden berücksichtigt und selbst diese nur bruchstückhaft und sogar sinnentstellend. Sie hat aus diesen zwei Texten einzelne Wörter herausgepickt, um dann am laufenden Band schlusszufolgern, meine Ausführungen seien „unschlüssig“ bzw. „unsubstanziiert“. Auf diese Weise verfälscht die Richterin meine Aussagen. Auf der anderen Seite hat die Richterin alle Belege weggelassen, die für die Prüfer belastend und ein Nachweis für ihre Fehlbeurteilung wären. Es wäre die Aufgabe der Richterin gewesen zu untersuchen, ob die Beurteilung fehlerfrei ist. Bereits bei einem einzigen Fehler der Prüfer hätte die Richterin meine Klage nicht abweisen dürfen.

Da Prüfer sich wie geschildert verhalten dürfen, habe ich die Wiederholungsprüfung nicht angetreten. Anscheinend darf die Justiz sich aus schriftlichen Belegen willkürlich bedienen und einzelne Satzteile sinnentstellend herausnehmen.

Vermerk der Redaktion: Veröffentlichung erfolgt auf Wunsch des Autors. Gegebenenfalls wird gerne auf Anfrage Kontakt mit dem Autor hergestellt.

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Linksammlung mit einschlägigen Urteil betreffend die gerichtliche Überprüfung von Prüfungsentscheidungen

VG Darmstadt vom 13.06.2013 3 K 1305/12.DA Prüfung Bachelor Klage erfolgreich

http://www.asta.tu-darmstadt.de/asta/sites/default/files/artikel/Urteil-Verwaltungsgericht%20Darmstadt-3%20K%201305-12.pdf

VG Thüringen vom 10. April 2013 Az. 2 K 1766/11 (Klage nicht erfolgreich)

BVerwG vom 4.7.2008 Az. 3 B 18.08 m.w.N.

Klage gegen Versagung der Erlaubnis Heilpraktikergesetz erfolgreich

http://www.bverwg.de/entscheidungen/entscheidung.php?ent=040708B3B18.08.0

Anders gelagerte Fälle:

http://www.prueferportal.org/html/800.php

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