Lehman Brothers und Aufklärungspflichten der Banken

Anlegerschutz – aus den Urteilsgründen

1) Anspruchsgrundlage: §§ 280 Abs. 1, 398 BGB

Die Klägerin hat gegen die Beklagte aus abgetretenem Recht gemäß §§ 280 Abs. 1, 398 BGB Anspruch auf Schadensersatz wegen fehlerhafter Anlageberatung in Höhe von 102.000,00 EUR, Zug um Zug gegen Übertragung der im Urteilstenor näher bezeichneten Lehman-Zertifikate.

2.) Banken haben eine Verpflichtung zur anleger- und objektgerechten Beratung.

3) Auch wenn nicht ausdrücklich ein Entgelt vereinbart worden ist, kommt ein Beratungsvertrag zustande, wenn die Bank sich auf solch eine Beratung einläßt.

4) Wenn das ausgefüllte Risikoprofil des Anlegers konservativ ist, dann könnte schon die Empfehlung von Zertifikaten ein Beratungsfehler sein. Vorliegend konnte wegen späterer Änderungen des Risikoprofils dies jedoch nicht mit Sicherheit aufgeklärt werden.

5) Objektgerechte Beratung bedeutet, dass die Bank über alle Umstände und Risiken, die für die Anlageentscheidung Bedeutung haben, richtig und vollständig informieren muss. Die Bewertung und Empfehlung der Anlage muss ex ante betrachtet vertretbar sein.

6) Zu einer vollständigen Risikodarstellung der Anlageform des Zertifikats gehört, dass der Anleger nicht nur das Marktrisiko in Bezug auf den zugrunde gelegten Basiswert erkennen kann, sondern auch, dass die Rückzahlung generell von der Bonität der jeweiligen Emittentin bzw. Garantiegeberin zum Zeitpunkt der Rückzahlbarkeit der Anleihe abhängt.

Kommentar

Die Urteile des Bundesgerichtshofs zum Thema Zertifikate Lehman Brothers wurden schon an anderer Stelle besprochen und tragen leider eher zur Unsicherheit über die Rechtslage bei.

Es bleibt der Grundsatz: Wer fehlerhaft beraten wurde, und wem schlechte Wertpapiere angedreht worden sind, kann gegebenenfalls von dem Berater und auch von der dabei involvierten Bank bei Beratungsfehlern sein Geld zurück verlangen, Zug um Zug gegen Rückübertragung der schlechten Wertpapiere.

Copyright im Dezember 2012
Anif Press Info
Kontakt

Weiterführende Links

http://openjur.de/u/357833.html#

English Summary

This article regards an investors protection judgment by the German State Superior Court (Landgericht) Heidelberg, BW, from March 2012. The bank rendering original advice to the purchase of Lehman Brothers Certificates had to return the invested amount and had to accept instead the defective certificates. The decision is based on the fact that the bank failed to properly render advice to the investor regarding the risks not only connected to the market but also regarding the solvency of the warrantor/ issuer.

Über admin

Rechtsanwalt (Attorney at Law, Germany) and CPA (USA)

Dieser Beitrag wurde unter Blogroll veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar