Arbeit macht nicht frei

Wegen des über Radio geäußerten Zitats „Arbeit macht frei“ bei einem arbeitsfreien Samstag eines – zynischen – Nazi-Slogans, der sich über dem Eingangstor des KZ Auschwitz befand/ befindet, wurde in München eine Radiomoderatorin des Privatsenders Gong 96,3 entlassen. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen Volksverhetzung.

Kommentar

Volksverhetzung, daß ich nicht lache. Da wiehert doch wieder mal der deutsche Amtsschimmel. Dieser Nazi-Slogan ist vollkommen blödsinnig, und noch blödsinniger ist seine Wiedergabe durch eine Radiomoderatorin. Aber verboten ist das nicht und im Gegenteil, über den Sinn solcher dummen Sätze muß man frei reden dürfen ohne Furcht vor staatlicher Verfolgung.

Zu der Bemerkung an einem arbeitsfreien Samstag durch eine Moderatorin:

Geschmacklos, verfehlt, unangebracht: ja.
Rechtlich relevant: nein.

Solch ein läppischer Satz ist Teil der deutschen Alltagssprache und unterliegt unserer Überzeugung nach eigentlich recht unproblematisch der freien Meinungsäußerung.

Mit typisch deutscher Verbissenheit, eventuell auch Humorlosigkeit, unsere wertvolle Zeit, und die unserer Behörden, bei solchen Belanglosigkeiten zu vergeuden, damit tun wir den Nazis doch gerade erst einen Gefallen. Die Ehre, solch einen Satz für sich beanspruchen zu dürfen, möchten wir den Nazis doch ganz sicher nicht erteilen. Ebenso wenig, wie die Vereinnahmung deutscher Tugenden oder etwa des Komponisten Richard Wagners.

Was Freiheit mit der Arbeit zu tun hat, oder auch nicht, darüber könnte man Bücher schreiben. Und das lassen wir uns nicht verbieten, das ist nämlich Zensur.

Selbst wenn diese Bemerkung mit einem nationalsozialistisch relevanten Hintergrund getätigt worden sein sollte, was wir bezweifeln, denn heute würde jeder halbwegs vernünftige Mensch so etwas lediglich nur noch ironisch wiedergeben, dann gibt dies doch nur willkommenen Anlaß, zu diskutieren, was das für ein Schwachsinn war. Lasst uns das doch tun. Lasst uns doch endlich wieder damit anfangen, zu denken, statt immer noch zu richten und zu henken.

Hier ein paar Denkansätze:

Macht Arbeit wirklich frei? Welche Freiheit, welche Arbeit?
Machte die Arbeit im KZ frei?
Macht die Arbeit heute frei?
Macht Arbeit unfrei?
Macht unbezahlte Arbeit unfrei?
Macht Arbeit Sklaven?
Müssen Sklaven arbeiten?
Gibt es ein Recht auf Arbeit?
Gibt es ein Recht auf Nichtarbeit?
Gibt es Freiheitsrechte in der Arbeit? Welche?

Artikel 12 Grundgesetz (GG)

Artikel 4 Europäische Konvention für Menschenrechte (EKMR)– Verbot der Sklaverei und der Zwangsarbeit

Art. 4 EKMR verbietet es, eine Person in Sklaverei oder Leibeigenschaft zu halten (Abs. 1). Weiterhin verboten ist Zwangs- oder Pflichtarbeit (Abs. 2).

„Nobody can give you freedom.
Nobody can give you equality
or justice or anything.
If you’re a man,
you take it“

MALCOLM X

Copyright im August 2012
Anif Press Info
Kontakt

Links

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/gong-radiomoderatorin-nach-nazi-aeusserung-entlassen-1.1437186

http://de.nachrichten.yahoo.com/radiomoderatorin-nach-nazi-%C3%A4u%C3%9Ferung-entlassen-.html

Wikipedia zu diesem Satz (die strafrechtliche Bewertung zutreffend wie oben angegeben)

http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeit_macht_frei

Über admin

Rechtsanwalt (Attorney at Law, Germany) and CPA (USA)

Dieser Beitrag wurde unter Blogroll veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar