Brustimplantat-Skandal: spanisches Urteil gegen Schönheitschirug und Klinik

In einer Entscheidung vom 16. Januar 2012 eines Zivilgerichts erster Instanz in Madrid, Spanien, wurde der französische Schönheitschirug Domingo Tomas Linares und die Madrider Klinik Menorca zur Zahlung von Schadensersatz/Schmerzensgeld in Höhe von Euro 7.455 verurteilt.

Die Entscheidung wurde damit begründet, daß die Patientin bei einer Brustoperation im Jahre 2001 keinerlei Hinweise erhalten hatte auf die Möglichkeit, daß die Implantate aufbrechen könnten, was im Jahre 2008 auch geschah. Dies sei bei der Operation ein inhärentes Risiko gewesen, auf das hätte hingewiesen werden müssen. Dies gelte selbst dann, wenn die Prothesen nicht defekt gewesen wären, was sie im konkreten Fall aber waren.

Betroffen sind Silikongel-gefüllte Brustimplantate der Hersteller Poly Implant Prothese (PIP) und Rofil Medical Nederland B.V.. Brustimplantate TiBREEZE der früheren GfE Medizintechnik GmbH sind ebenfalls betroffen.

Verwiesen wird wegen weiterer Einzelheiten auf Informationen und Warnungen des deutschen BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprdukte):

Patientinnen mit PIP- oder Rofil-Brustimplantaten sollten sich an ihren Arzt oder ihre Ärztin wenden.

Eine weltweite Prozesswelle steht an. Betroffen sind von dem Skandal insgesamt bis zu 500.000 Frauen, u.a. aus Spanien, Frankreich, England, Italien, der Schweiz, Belgien und Deutschland, aber auch aus Australien und Latein-Amerika.

Alleine in Spanien sind, spanischen Berichten zufolge, 14 Frauen an den Folgen der seit 1989 erfolgenden Schönheitsoperationen gestorben. Da es in Deutschland bedauerlicher Weise keine Sammelklagen gibt, muß sich jede Verbraucherin selbst um ihr Recht kümmern. Die eigentlich verantwortlichen Herstellerfirmen sind natürlich längst insolvent. Der Gründer der PIP, Jean-Claude Mas, wird strafrechtlich wegen fahrlässiger Körperverletzung und wegen Betrugs belangt.

Die Rede ist auch von Staatshaftungsklagen gegen die betroffenen Länder wegen verspäteter und ungenügender Verbraucherinformationen über die schon früher bekannten Risiken.

Beitrag und Copyright im Febr. 2012 von:

A. Fischer, Rechtsanwalt und CPA (USA)
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Per Email an: Rechtsanwalt@anif.de

Übersetzung der französischen Original-Dokumente:

http://www.bfarm.de/SharedDocs/1_Downloads/DE/Medizinprodukte/riskinfo/empf/PIP_dt-Uebersetzung.pdf?__blob=publicationFile

weiterführende Berichte:


http://www.bfarm.de/DE/Medizinprodukte/riskinfo/empfehlungen/PIP/pip-node.html

http://home.1und1.de/themen/gesundheit/krankheiten/308qzdi-erstes-urteil-zu-pfusch-silikon#.A1000147

http://www.francesoir.fr/actualite/sante/protheses-pip-un-medecin-espagnol-condamne-181758.html

Eine Kundeninformation der Nachfolgefirma pfm medical titanium GmbH ist in der Rubrik Medizinprodukte/Maßnahmen von Herstellern unter der Referenz-Nummer 0322/12 veröffentlicht.

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