GRECO-Empfehlungen zur Korruption in Deutschland

Fundort der Originalberichte von GRECO:

www.coe.int

GRECO Evaluations

GROUP OF STATES AGAINST CORRUPTION (GRECO)

Dritter Erhebungszeitraum

Evaluierungsbericht über Deutschland zur Kriminalisierung (SEV Nrn. 173 und 191, Leitlinie 2)

Verabschiedet durch GRECO bei der 45. Vollversammlung
Straßburg, 30. November – 4. Dezember 2009
Secrétariat du GRECO Conseil de l’Europe F-67075 Strasbourg Cedex

I. – III. (hier der Länge wegen nicht wiedergegeben)

IV. SCHLUSSFOLGERUNGEN

123. Die Kriminalisierung der Korruption in Deutschland hat sich im Laufe der Jahre geringfügig weiterentwickelt. Wie es scheint, bemühen sich die Praktiker in der Ermittlung und Strafverfolgung von Korruptionsdelikten konkret darum, die ihnen gegenwärtig zur Verfügung stehenden gesetzlichen Instrumente bestmöglich einzusetzen; diese Instrumente unterliegen trotz der Wirtschafts- und Handelsmacht Deutschlands bestimmten Einschränkungen im Umgang mit grenzübergreifenden Formen der Korruption. Es ist insoweit bedauerlich, dass es dem Bundestag in der letzten Legislaturperiode nicht gelungen ist, den 2007 eingebrachten Gesetzentwurf zur Änderung der Bestimmungen über die Korruptionsbekämpfung zu verabschieden, der es Deutschland ermöglicht hätte, das Strafrechtsübereinkommen über Korruption (SEV Nr. 173) und das Zusatzprotokoll dazu (SEV Nr. 191) sowie das Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen Korruption zu ratifizieren; das Land hat somit eine Gelegenheit zu einer zeitnahen weiteren Verbesserung seiner strafrechtlichen Antikorruptionsbestimmungen und zur Vereinfachung seiner Rechtsvorschriften entsprechend internationalen Anforderungen verpasst. Besondere Sorge bereitet, dass bestimmte Personengruppen (einschließlich Abgeordnete und Mitglieder von Stadt- und Gemeinderäten, soweit sie nicht Amtsträger sind) Antikorruptionsbestimmungen in eingeschränkter Form unterliegen. Dies könnte in der breiten Öffentlichkeit den Eindruck erwecken, dass für Teilbereiche der deutschen Gesellschaft nicht dieselben Regeln gelten wie für den Rest der Bevölkerung, wenn es um die Wahrung der Integrität in den sozialen, politischen und geschäftlichen Beziehungen geht. Deutschland wird dringend gebeten, zur Ergänzung der bestehenden Gesetzesbestimmungen gegen Korruption ein ehrgeiziges Paket an gesetzlichen Maßnahmen zu beschließen. Dabei muss insbesondere darauf geachtet werden, dass u. a. die Kriminalisierung der Bestechung und Bestechlichkeit von Abgeordneten, ausländischen Amtsträgern und auf internationaler Ebene beschäftigten Person sowie die Kriminalisierung der Bestechung und Bestechlichkeit im privaten Sektor ausgeweitet, „missbräuchliche Einflussnahme“ unter Strafe gestellt und die Vorschriften über die deutsche Gerichtsbarkeit über Korruptionsdelikte vereinheitlicht und ausgeweitet werden.

124. In Anbetracht der vorstehenden Ausführungen empfiehlt GRECO Deutschland Folgendes:

i. die Ratifikation des Strafrechtsübereinkommens über Korruption (SEV Nr. 173) sowie des Zusatzprotokolls dazu (SEV Nr. 191) zügig voranzutreiben (Rdn. 98);

ii. die Anwendung des behördlichen Genehmigungsverfahrens nach § 331 Abs. 3 und § 333 Abs. 3 StGB (betreffend die Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung bei Amtsträgern) zu beobachten, um mögliche Beeinträchtigungen der Rechtssicherheit – auch in Bezug auf die Ermittlung und Strafverfolgung von Korruptionsdelikten – feststellen zu können und, soweit erforderlich, geeignete Maßnahmen zu treffen
(Rdn. 104);

iii. die Kriminalisierung der Bestechung und Bestechlichkeit von Abgeordneten nach § 108e StGB deutlich zu erweitern, um den Tatbestand in Einklang mit Artikel 4 des Strafrechtsübereinkommens über Korruption (SEV Nr. 173) zu bringen (Rdn. 107);

iv. die Bestechung und Bestechlichkeit von Mitgliedern ausländischer öffentlich¬rechtlicher Vertretungskörperschaften umfassender zu kriminalisieren (Rdn. 108);

v. Bestechung und Bestechlichkeit ausländischer Amtsträger im Einklang mit Artikel 5 des Strafrechtsübereinkommens über Korruption (SEV Nr. 173) umfassender zu kriminalisieren (Rdn. 109);

vi. sowohl die Bestechung als auch die Bestechlichkeit von internationalen Beamten, Mitgliedern internationaler parlamentarischer Versammlungen sowie Richtern und Bediensteten internationaler Gerichtshöfe im Einklang mit den Artikeln 9 bis 11 des Strafrechtsübereinkommens über Korruption (SEV Nr. 173) umfassender zu kriminalisieren (Rdn. 110);

vii. sicherzustellen, dass Bestechung und Bestechlichkeit ausländischer Geschworener / Schöffen („jurors“) in Deutschland nach Maßgabe des Artikel 6 des Zusatzprotokolls zum Strafrechtsübereinkommen über Korruption (SEV Nr. 173) unter Strafe gestellt wird (Rdn. 111);

viii. die Bestimmungen in § 299 StGB über Bestechung und Bestechlichkeit im privaten Sektor nach Maßgabe der Artikel 7 und 8 des Strafrechtsübereinkommens über Korruption (SEV Nr. 173) zu ändern (Rdn. 112);

ix. missbräuchliche Einflussnahme nach Maßgabe des Artikel 12 des Strafrechtsübereinkommens über Korruption (SEV Nr. 173) unter Strafe zu stellen
(Rdn. 114);

x. i) die Gerichtsbarkeit über die verschiedenen Korruptionsdelikte im Einklang mit Artikel 17 Abs. 1 des Strafrechtsübereinkommens über Korruption (SEV Nr. 173) und dem Zusatzprotokoll dazu (SEV Nr. 191) klar zu begründen, ii) alle relevanten Vorschriften über die Gerichtsbarkeit, soweit möglich, in das Strafgesetzbuch aufzunehmen, um sie für die Praktiker und die Allgemeinheit leichter verständlich zu machen (Rdn. 122).

125. GRECO fordert die deutschen Behörden nach Artikel 30.2 der Geschäftsordnung auf, bis zum 30. Juni 2011 einen Bericht über die Umsetzung der oben genannten Empfehlungen vorzulegen.

126. Abschließend bittet GRECO die deutschen Behörden, die Veröffentlichung des Berichts so bald wie möglich zu genehmigen, ihn in die Landessprache zu übersetzen und diese Übersetzung zu veröffentlichen.

GENERALDIREKTION FÜR MENSCHENRECHTE UND RECHTLICHE ANGELEGENHEITEN DIREKTION FÜR ÜBERWACHUNGSAUFGABEN

Straßburg, 4. Dezember 2009

Öffentlich Greco Eval III Rep (2009) 3E Thema I

GRECO RECOMMENDATIONS REGARDING CORRUPTION IN GERMANY

GROUP OF STATES AGAINST CORRUPTION (GRECO)

Strasbourg, 4 December 2009 Public Greco Eval III Rep (2009) 3E Theme I

Third Evaluation Round

Evaluation Report on Germany on Incriminations (ETS 173 and 191, GPC 2)

(Theme I)
Adopted by GRECO at its 45th Plenary Meeting
Strasbourg, 30 November – 4 December 2009

REPORT

I. – III. (not included because of length)

IV. CONCLUSIONS

123. The incriminations of corruption in Germany have slightly evolved over the years. It would appear that practitioners in charge of investigating and prosecuting corruption are deploying real efforts to make best use of the legal tools currently at their disposal; despite Germany’s economic and commercial power, these tools are subject to certain limitations when it comes to dealing with cross border forms of corruption. In this context, it is regrettable that the federal parliament has not managed during the past legislature to adopt the draft act on revision of the anti-corruption provisions, which was presented in 2007 and would have enabled Germany to ratify the Criminal Law Convention on Corruption (ETS 173) and its Additional Protocol (ETS191), as well as the United Nations Convention against Corruption; the country has thus missed an opportunity to improve further and in a timely manner its criminal anti-corruption provisions and to simplify its legislation, in line with international requirements. A particular source of concern is the fact that certain categories of persons (including members of parliament and local council members who are not officials) are subject to limited anti-corruption provisions. This could generate the impression, within the wider public, that parts of German society are not subject to the same rules as the rest of the population, when it comes to the preservation of integrity in social, political and business relations. Germany is urged to pass an ambitious set of legal measures to complement the existing legal anti-corruption provisions. Particular attention will need to be paid i.a. to broadening the incrimination of active and passive bribery of assembly members, foreign public officials and persons employed at international level, broadening the incrimination of private sector bribery, criminalising trading in influence and harmonising and extending the rules on the jurisdiction of Germany for corruption offences.

124. In view of the above, GRECO addresses the following recommendations to Germany:
i. to proceed swiftly with the ratification of the Criminal Law Convention on Corruption (ETS 173) as well as the ratification of its Additional Protocol (ETS 191) (paragraph 98);
ii. to keep under review the application of the administrative authorisation procedure under sections 331 paragraph 3 and 333 paragraph 3 of the Criminal Code (concerning the acceptance and granting of a benefit by public officials), in order to ascertain possible implications for legal security, including in matters of investigation and prosecution of corruption offences and, if need be, to take appropriate measures (paragraph 104);
iii. to substantially broaden the incrimination of active and passive bribery of assembly members under section 108e of the Criminal Code, to bring it in line with Article 4 of the Criminal Law Convention on Corruption (ETS 173) (paragraph 107);

iv. to incriminate more broadly, active and passive bribery of members of foreign public assemblies (paragraph 108);

v. to incriminate active as well as passive bribery of foreign public officials more broadly, in line with Article 5 of the Criminal Law Convention on Corruption (ETS 173) (paragraph 109);

vi. to incriminate more broadly active as well as passive bribery of officials of international organisations, members of international parliamentary assemblies, judges and officials of international courts, in line with Articles 9 to 11 of the Criminal Law Convention on Corruption (ETS 173) (paragraph 110);

vii. to ensure that active and passive bribery of foreign jurors is criminalised in Germany in accordance with the provisions of Article 6 of the Additional Protocol to the Criminal Law Convention on Corruption (ETS 173) (paragraph 111);

viii. to amend the provisions on bribery in the private sector of section 299 CC in accordance with Articles 7 and 8 of the Criminal Law Convention on Corruption (ETS 173) (paragraph 112);

ix. to criminalise trading in influence in accordance with Article 12 of the Criminal Law Convention on Corruption (ETS 173) (paragraph 114);

x. i) to clearly establish jurisdiction for the various corruption offences in line with Article 17 paragraph 1 of the Criminal Law Convention on Corruption (ETS 173) and its additional Protocol (ETS 191); ii) to include, to the extent possible, all relevant rules concerning jurisdiction in the Criminal Code in order to facilitate their understanding by practitioners and the public at large (paragraph 122).

125. In conformity with Rule 30.2 of the Rules of Procedure, GRECO invites the German authorities to present a report on the implementation of the above-mentioned recommendations by 30 June 2011.

126. Finally, GRECO invites the authorities of Germany to authorise, as soon as possible, the publication of the report, to translate the report into the national language and to make this translation public.

Kommentar zur Umsetzung der Empfehlungen von GRECO in Deutschland:

Punkt 126, die Bitte, den Bericht zu veröffentlichen und in die Landessprache zu übersetzen, wurde umgesetzt. Die Veröffentlichung erfolgt u.a. hier.

Weitere Punkte der Emfehlungen gegen die deutsche Korruption wurden von Deutschland, soweit hier bekannt, im Wesentlichen nicht beachtet.

Insbesondere erfüllt Deutschland nach wie vor nicht die Voraussetzungen, um dem UN-Anti-Korruptionsübereinkommen beitreten zu können.

Im Lande des Holocausts muß uns allen die wiederholt geäußerte, stereotype Beteuerung der Verantwortlichen, selbstverständlich nicht korrupt zu sein, verbunden mit jeder Menge an feuchten Händedrucken und festem Blick in die Augen, ausreichen.

Im übrigen sei verwiesen auf unseren Beitrag zum „Hamsterrad„.

Selbst im – insoweit herrlich distanzierten und kritischen – Bericht von GRECO, der durchaus insgesamt lesenswert ist, wird unserer Meinung nach der Fehler begangen, die Umsetzung der nur formal bestehenden Strafvorschriften in Deutschland und bestehende Verdeckungsmechanismen bei weitem nicht hinreichend kritisch genug zu überprüfen und deren Nichtanwendung zu beanstanden.

Beitrag und Copyright im Dezember 2011 von:

A. Fischer, Rechtsanwalt und CPA (USA)
Pf. 100348
76484 B.- Baden

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Per Email an: Rechtsanwalt@anif.de

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