Verweigerung von ehelichem Sex kostet in Frankreich 10.000 Euro Schadensersatz

Unglaublich, aber wahr:

Ein nach 21 Jahren Ehe mit dem gebührenden Sex für seine Gattin offensichtlich einige Jahre lang ziemlich sparsamer Ehemann muss 10.000,00 Euro Schadensersatz zahlen. So wurde das in der Berufungsinstanz bestätigt, nicht in Deutschland, aber – in Frankreich!

Angewendetes Recht: Art. 1382 des französischen CC (Code Civil), i.Vb. m. Art. 215 CC (entspricht § 1353 BGB – Verpflichtung zur ehelichen Lebensgemeinschaft).

Gerichte: Berufungsgericht (cour d’appel) in Aix-en-Provence mit Beschluss (arrêt) vom Mai 2011 und Familiengericht Nizza in erster Instanz. Hintergrund des Ganzen war wohl eine vorangehende Nichtigkeitsklage der Ehe, erhoben durch den Ehemann, die mit dem Fehlen einer sexuellen Beziehung begründet worden war.

Kommentar

Manchmal glaubt man ja nicht, was es nicht so alles immer noch gibt. Das könnte vermutlich zu einer Prozesslawine führen, in Frankreich! In Deutschland auch?

In Deutschland würde man nach dem Grundsatz der Naturalrestitution (§ 249 BGB) in solch einem Fall wohl zuerst einmal prüfen müssen, ob der verpasste Sex nicht nachzuholen ist.

Weiter bliebe fraglich, wie genau der hier kompensierte Schaden eigentlich zu definieren wäre. Nicht in allen Fällen dürfte nach 21 Jahren eindeutig hier von Lustverlust die Rede sein können.

Sodann wäre festzustellen, ob die durch das Unterlassen von angemessenem ehelichem Sex geschädigten Ehefrauen ihren Schadensminderungspflichten gebührend nachgekommen sind.

Hier wäre (nicht ganz ernsthaft) zu denken zunächst einmal an eine ganze Reihe von lustvollen anderweitigen ehelichen oder auch ausserehlichen Dispositionsmöglichkeiten zur Kompensation des ehelichen Lustverlusts.

Es stellt sich sodann die Frage, ob Schadensersatz auch für schlechten Sex zu zahlen wäre.

Kämen die klassischen Gewährleistungsrechte (wie z.B. Garantiehaftung, Recht auf Nachbesserung nach Mängelanzeige) zum Tragen?

Hätte die Ehefrau den sexmuffelnden Ehemann auf die Leistung von angemessenem Sex verklagen können?

Für das Gericht wäre pflichtgemäßer ehelicher Sex vielleicht am besten zu dokumentieren anhand eines ehelichen Sextagebuchs, in dem die lutherisch vorgegebenen zwei Male die Woche („In der Woche zwier, schadet weder ihm noch ihr“) vermerkt würden. Lassen Sie sich die ordnungsgemäße Erfüllung der ehelichen Pflichten jedes Mal gegenzeichnen. Eventuell könnte man da auch an die Grundsätze der rügelosen Abnahme denken.

Auch alle etwaigen Zeugen der pflichtgemäßen ehelichen Tätigkeit sollten samt ladungsfähiger Anschrift in dem Sextagebüchlein eingetragen werden. In Betracht als Zeugen kämen etwaige Teilnehmer an flotten Dreiern oder sonstigen Spielchen, und vielleicht auch die Nachbarn mit den besonders langen Ohren. Empfehlenswert ist dafür besonders lauter ehelicher Sex. Vielleicht sollte das noch unterlegt werden mit aussagekräftigen Beweisfotos (Pose!) und Videoaufnahmen von euch mit eurer besten aller Gattinnen! Auch die Fotografen und Kameraleute kämen dann als Zeugen in Frage.

Dann strengt euch jetzt mal vorsorglich kräftig an, Ihr Ehemänner (und Frauen dann in Zeiten der Gleichberechtigung ja wohl auch)!

Beitrag und Copyright im November 2011 von:

Anif Press Info
Pf. 100348
76484 B.- Baden

Kontakt über Deutsche Anwaltshotline
Per Email an: Rechtsanwalt@anif.de


Quellenangaben

auf französisch:

http://fr.news.yahoo.com/sexe-durant-mariage-mari-doit-payer-dommages-int%C3%A9r%C3%AAts-165105726.html

deutsch:

http://web.de/magazine/nachrichten/panorama/14247030-kein-sex-in-ehe-10-000-euro-entschaedigung-fuer-franzoesin.html?cc=0000054803001424703012lk2J

Über admin

Rechtsanwalt (Attorney at Law, Germany) and CPA (USA)
Dieser Beitrag wurde unter Blogroll veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort