NLP-Methoden in der Juristerei

zur Akteneinsicht:

Wer schon an NLP-Schulungen (NLP steht für Neuro-Linguistic Programming) teilgenommen hat, kennt die Macht der Manipulation mit kleinen, aber gem….. äh, sehr wirksamen Tricks.

Einer davon geht wie folgt:

Die Staatsanwaltschaft möchte nicht, daß Akteneinsicht genommen wird. Dann wird folgendes geschrieben:

„Wir schließen jetzt die Akten und gehen davon aus, daß Sie keine Akteneinsicht mehr nehmen wollen.“

Psychologisch schafft das eine echte Hemmschwelle, nun doch noch auf der verlangten Akteneinsicht zu bestehen.

Ähnlich geht es, wenn man nicht will, daß im Strafrecht der Anwalt den Mandant erst nach Akteneinsicht berät.

Hier haben wir schon polizeiliche Protokolle gefunden, in denen steht:

„Der Verdächtige wird anwaltlich vertreten. Also gehen wir davon aus, daß er von seinem Schweigerecht Gebrauch macht und keine Aussage machen möchte.“

No Go! Das geht gar nicht.

Es gibt da nur eine kleine, aber wichtige Abweichung, die den ganzen Rechtsstaat ausmacht:

das rechtliche Gehör ist unabdingbare Grundlage jeder Entscheidung.

Und besonders im Strafrecht ist die unabdingbare Regel: zunächst einmal verlangt und nimmt ein Anwalt als Verteidiger Akteneinsicht.

Dann berät er den Mandant.

Dann entscheidet der Mandant, ob und inwieweit er sich zur Sache äußert.

Und zwar in dieser Reihenfolge, keiner anderen.

Anwaltliche Beratung, bevor der Anwalt Akteneinsicht genommen hat, ist als solches bereits schon ohne weitere Zwischenschritte ein anwaltlicher Kunstfehler!

Ebenso verhält es sich mit irgendwelchen Einlassungen zur Sache, bevor man überhaupt weiss, was einem eigentlich vorgeworfen wird.

Der Mandant entscheidet sodann, ob er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch macht, oder ob er aussagen möchte!

Diese Entscheidung trifft keineswegs die Polizei oder Staatsanwaltschaft, und erst recht kein Richter, sondern wir selbst, das Volk, und seine Vertreter, das sind nämlich auch dessen Rechtsanwälte!!!

Und im Innenverhältnis (das übrigens niemand anders etwas angeht) ist es im Zweifel immer der Mandant, und auch nicht der Rechtsanwalt, der die endgültige Entscheidung zu treffen hat.

Gerne verwendete Methode ist auch, daß formal rechtliches Gehör gewährt wird, ohne vorher die verlangte Akteneinsicht zu gewähren. Oder nur in Teile der Akten.

Wenn man da später nicht ganz genau hinsieht, ist es leicht, zu denken, rechtliches Gehör wäre ordnungsgemäß gewährt worden. Und wenn noch so dick auf dem offiziellen Anschreiben steht: „Gelegenheit zur Stellungnahme“, oder „rechtliches Gehör“ drauf steht, dann muss das noch längst nicht drinnen sein!

Da hilft nur ein „Gegengift“: dokumentieren, daß keine Akteneinsicht gewährt worden ist, und eine Entscheidung über eine Stellungnahme (das kann aber auch in der Tat im Ergebnis die Entscheidung sein, von seinem Aussageverweigerungsrecht weiterhin Gebrauch zu machen!) – nach Akteneinsicht ankündigen.

Beitrag und Copyright im Oktober 2011 von:

Anif Press Info

Kontakt Sekretariat/ AB Kanzlei Fischer Tel. 07221-3939752
Fax: 03212-3939752
Per Email an: Rechtsanwalt@anif.de

Hier ein Link auf eine NLP-Seite:

http://www.nlp-wissen.de/thema/nlp-methoden/

Über admin

Rechtsanwalt (Attorney at Law, Germany) and CPA (USA)
Dieser Beitrag wurde unter Blogroll abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar