Buchbesprechung Topik und Jurisprudenz von Viehweg

Ein Beitrag zur rechtswissenschaftlichen Grundlagenforschung.

Buchbesprechung

Es gibt eigentlich nur einige wenige Bücher, deren Lektüre sich im juristischen Studium – und nicht nur da – uneingeschränkt empfiehlt.

Dazu gehört das gerade einmal 130 Seiten umfassende Taschenbüchlein von Theodor Viehweg, „Topik und Jurisprudenz“.

Je mehr und länger man sich damit beschäftigt, desto wertvoller wird der Inhalt. Das Buch beschäftigt sich mit den Grundlagen des typisch juristischen Denkens und der juristischen Argumentationstechnik. Um § 3 (Analyse der Topik) zu zitieren:

„Es handelt sich um diejenige denkerische Techne, die sich am Problem orientiert.“ Es geht um die Methoden der Auswahl der „Topoi“, der Themengruppen, und um die Techniken, anhand deren man damit Probleme lösen kann. – Die Rede ist (mit den wichtigsten Gliederungspunkten) von Vicos Hinweisen, von aristotelischer und ciceronischer Topik, vom Bezug der Topik zu den lateinischen Rechtsbegriffen ius civile und mos italicus, es geht um ars combinatoria und juristische Axiomatik. Auch wenn viele dieser Begriffe heutzutage eher entlegen bekannt sind, so werden diese doch so gut erklärt und vom Author eingeführt, daß auch der nicht vorgebildete Leser sich leicht einen ersten Einblick in die spannende Welt des juristischen Denkens verschaffen kann.

Insgesamt handelt es sich um einen auch und gerade heute sehr interessanten Ansatz, juristisches Denken zu betrachten, und damit um Pflichtlektüre für jeden Rechtswissenschaftler, jeden, der den Grund der insgesamt unbestreitbar immensen Macht aufspüren möchte, die die Juristen (und natürlich auch andere) bis heute immer wieder befähigt, alleine durch den juristischen Denkansatz und die entsprechende Methodik nicht nur Problemlösungen anzubieten, sondern letztendlich auch das Denken als solches weiter voranzutreiben.

Das mir vorliegende Exemplar ist die fünfte, durchgesehene und erweiterte Auflage 1974, C.H. Beck Verlag ISBN 3 406 04910 9. Obwohl das juristisch ein erhebliches Alter bedeutet, in dem man die meisten juristischen Werke als mindestens inhaltlich überholt austauschen muss, so liest sich das Büchlein so erfrischend und neu, als sei es gerade eben erst erschienen.

Beitrag und Copyright im Mai 2011 von:

Anif Press Info

Per Email an: Rechtsanwalt@anif.de

P.S. bei der Recherche zu dem Buch stiess ich auf eine Doktorarbeit „Topik und rhetorische Rechtstheorie“ an der Universität Düsseldorf aus dem Jahre 2005, hier die Fundstelle, die der Leserschaft nicht vorenthalten werden soll.

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2 Kommentare zu Buchbesprechung Topik und Jurisprudenz von Viehweg

  1. admin sagt:

    Kommentar

    Der Autor dieses Beitrags fühlt sich nicht dazu berufen, die hier gestellte – interessante – Frage nach den konkreten Zielen Viehwegs oder sogar der Rechtswissenschaften zu beantworten. Die Frage soll aber gerne der Öffentlichkeit gestellt werden, vielleicht finden sich ja noch gute Antworten dazu.

  2. admin sagt:

    Email Zuschrift

    Sehr geehrte Redaktion,

    ich habe in Ihrem Blog den Beitrag zu Theodor Viehweg gelesen. Darauf
    lieh ich mir das Buch in der Bibliothek aus und las es. Im Prinzip
    verstehe ich, worum es Viehweg in seinem Buch geht. Jedoch habe ich
    Schwierigkeiten damit, was sein konkretes Ziel ist. Verstanden habe ich,
    dass er meint, dass das Ziel der Rechtswissenschaft darin bestehe, zu
    ermitteln, was hier und jetzt gerecht sei. Dieses Ziel könne man eben
    nicht deduktiv-systematisch sondern nur topisch erreichen.

    Aber was genau heißt das? Können Sie mir vielleicht erklären, was das
    Ziel Viehwegs genau ist und wie das dann in der Praxis nach Viehweg
    umzusetzen wäre?

    Vielen Dank!

    Mit freundlichen Grüßen

    Vorname, Name
    (Jurastudent)

    

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