„vivre l’art“ – politische Zensur von Kunst in Frankreich?!

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(mit Dank für die freundliche Genehmigung des Künstlers)

Zensur gibt es nicht nur in Deutschland, unsere Nachbarn stehen auch nicht so schlecht da:

Kunstzensur in Frankreich nicht im vergangenen Jahrhundert – nein, im Jahre 2009!

Vor kurzem fand im Kurhaus Baden-Baden eine kleine Kunstausstellung statt. Unter den ausgestellten Bildern befand sich ein Bild, das einen Mann im blauen Anzug zeigt, der statt eines Kopfes ein barbusiges und auch ansonsten so gut wie unbekleidetes, ziemlich pralles Dämchen trägt. Ihre Unterschenkel und Füße verschmelzen in dem spitz zulaufenden Kegel des Kragens dieses Herren. Dieser wird zusammen gehalten von einer großen weissen Schleife, die ein wenig an das Zubehör eines altmodischen Korsetts erinnert. Eher ängstlich als provozierend schlägt sie die Hände über dem Kopf zusammen. Der Inhalt solch eines Bildes würde in Deutschland noch nicht einmal mehr beim deutschen Nachmittagsfernsehen beanstandet werden.

Gedacht als Homage an Frankreich, Lebensart und Lebensfreude seiner Menschen wurde das Gemälde von dem deutschen Künstler geschaffen.

Ganz anders verstanden das die Franzosen:

Der Hintergrund dieses Bildes ist nämlich der französische Roman „Clochemerle“ von Gabriel Chevalier. Der Roman beinhaltet eine französische Dorfposse aus dem Jahre 1934, in der der Bau einer öffentlichen Bedürfnisanstalt den kleinen, korrupten Bürgermeister – des erfundenen Dorfes Clochemerle – und sonstige politische Akteure an den Rand einer Revolution bringen.

Der Maler, Walter Werner, erzählte entrüstet, daß ihm bzw. dem Aussteller es im vergangenen Jahr tatsächlich verboten worden war, das Bild anlässlicher einer Ausstellung in einem Vorort von Strassburg auszustellen. Was können wir da noch sagen? – Honi soit qui mal y pense – ein Schelm ist, der da böses denkt.

Es wurde durch die französischen Behörden einfach angedroht, daß die ganze Kunstausstellung abgeblasen werde, wenn das Bild ausgestellt wird. Das wollte man nicht riskieren, und das Bild blieb zuhause.

Nicht viel kaputt gegangen, also, aber dennoch, wollen wir hier dafür einen Merkposten machen.

Rechtlich ist so etwas natürlich vollkommen unakzeptabel bis hin zum Lächerlichen. Vermutlich beinhaltet das Bild einen politischen Volltreffer, den wir im Einzelnen natürlich noch nicht einmal kennen. Egal, um was es sich handelte, eine moderne Demokratie muß über derartigen Methoden stehen.

Angesichts von Stuttgart 21 wünschen wir dem Maler nur insgesamt, daß das Bild gerade wegen der Zensur in Frankreich eine entsprechende Steigerung an Nachfrage und Wert erfahren möge.

Beitrag und Copyright 2010 von:

Anif Press Info

Per Email an: Rechtsanwalt@anif.de

Hier geht’s zu den Internetauftritten des Malers, auf dem das fragliche Bild auch etwas schärfer abgelichtet ist:

http://www.artists.de/walterwerner.html

www.walterwerner-shop.fineartprint.de

Hier zu weiterführenden Artikeln über die bestehende Zensur der Meinungsfreiheit in Deutschland.

Und hier zum aktuellen Stand der Zensur der Meinungsfreiheit in Deutschland.

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