Die Ausbildungsversicherung (frühere Aussteuer- bzw. Hochzeits-/Heiratsversicherung): Nein, ich möchte keine Kapitallebensversicherung haben. Nein, ich möchte auch keine Altersvorsorgeversicherung abschliessen. Wirklich nicht.

Ich suche für meine kleine, 5-jährige Tochter eine Ausbildungs- Aussteuer bzw. Heiratsversicherung.

Wenn Sie später studieren möchte, wenn sie eine Hochzeit ausrichten möchte, oder wenn sich ein sonstiger Kapitalbedarf ergibt, soll ihr ein kleines angespartes Sümmchen zur Verfügung gestellt werden. Die Großeltern möchten auch etwas Geld dazu beisteuern, wenn das Geld auch wirklich der Enkelin zugute kommt, eines Tages.

Meine Schwägerin hatte mit solch einer Versicherung Teile ihres Medizinstudiums finanziert. Sie ist eine gute Ärztin geworden, damit.

Seit geraumer Zeit durchforste ich nun den Wald der deutschen Versicherungen nach einem Produkt, das es eigentlich geben sollte, aber wohl überhaupt nicht gibt.

Ich komme mir vor wie jemand, der ein Auto kaufen möchte, und dem laufend statt dessen Freizeitboote angeboten werden. Boote sind etwas schönes, ja, liebe Versicherungsvertreter, vielen Dank, ich möchte aber wirklich ein Auto kaufen und kein Boot!

Insgesamt kann man da nur sagen: typisch für kontrollierte, unfreie Märkte ist, daß nicht der Markt und die Nachfrage bestimmt, welche Produkte angeboten werden, sondern die Versicherungsgesellschaften bestimmen, was dem Markt vorgeworfen wird, nach dem Motto “Vogel friß oder stirb.”

Wieder und wieder werde ich in überlegen- belehrendem-wissenden Ton darüber aufgeklärt, daß ich in Wirklichkeit nicht eine Ausbildungs-, Aussteuer- bzw. Heiratsversicherung für meine kleine fünfjährige Tochter suche, sondern eine Kapitallebensversicherung, oder eine Altersvorsorgeversicherung.

Nein, ich suche definitiv keine Kapitallebensversicherung oder eine Altersvorsorgeversicherung. Bitte glaubt mir das doch endlich.

Und da hätten wir anzubieten, … … und dann kommt das Vertretersprüchlein. Ich kann es nicht mehr hören, wirklich nicht.

Einige „gegooglete“ Definitionen erschienen ganz erfolgsversprechend.

Ein im Internet ausgehängter “Aussteuerversicherungsrechner” stellte sich dann aber heraus als ein simpler Rechner für Kapitallebensversicherungen. Wieder und wieder stosse ich auf einen Link einfach auf Kapitallebensversicherung. Und da hätten wir anzubieten …. Zuerst einmal möchten wir Ihr Geburtsdatum wissen, dafür. .. Ich will keine Kapitallebensversicherung abschliessen. Bitte glaubt mir doch endlich.

Wieder und wieder fülle ich Formulare aus, die vielversprechend lauten, und werde dann kontaktiert wegen „meiner Kapitallebensversicherung.“

Zur Klarstellung: Mit einer Kapitallebensversicherung spare ich Geld an für den Fall, daß ich vorzeitig versterbe, das dann meinen Erben bzw. dem Begünstigten in einer Summe oder in Form einer Geldrente ausgezahlt wird. Das dient häufig zur Absicherung von Bankdarlehen für den Fall des vorzeitigen Versterbens. Bei Fälligkeit im Todesfall oder spätestens an einem vertraglich festgelegten Fälligkeitszeitpunkt wird dann eine gewisse Summe ausgezahlt, abzüglich der von der Versicherung abgedeckten Risikoanteile.

Kapiert? Habt Ihr kapiert, daß ich es kapiert habe?

Ich möchte aber nicht vorzeitig versterben. Ich möchte keine Kapitallebensversicherung abschließen. Glaubt mir doch, bitte. Unabhängig von meinem eigenen Versterben möchte ich lediglich für mein Kind Geld so anlegen, daß es eines Tages darüber verfügen kann. Egal, ob ich bis dahin tot bin oder auch nicht. Ok, wenn ich – entgegen meinen Planungen – bis dahin vieleicht vorzeitig ins Grass beissen sollte, (mors certa, hora mortis incerta, der Tod ist gewiss, nicht aber seine Stunde!) – dann wäre es vieleicht nicht schlecht, wenn das Geld trotzdem zur Verfügung gestellt werden könnte. Danke der Nachfrage und der ungefragten Sorge um mein Weiterleben. Das muss aber gar nicht unbedingt sein sein. Das bis zu meinem Vorversterben angesparte Sümmchen plus Zinsen sollte ausreichen. Vieleicht könnte man da ja Vergleichszahlen anbieten. Aber eigentlich möchte ich gerne bis dahin sowieso noch leben.

Bitte, bitte, bitte, glaubt es mir doch endlich. Eine halbe Stunde lang hatte ich am Telefon einer Versicherungsvertreterin von der StadtInDeutschland’schen den Unterschied zwischen einer Ausbildungsversicherung und einer Kapitallebensversicherung erklärt, und was ich möchte und was nicht.

Der Fall wurde dann intern wohl abgegeben. Und kurze Zeit später meldete sich eine andere Mitarbeiterin “wegen der Kapitallebensversicherung.”

ASSSLKTZXXRRGRRGGGGGGGTRRRRRRRRRRXXXXXXX. – warum hat der bloss einfach so aufgelegt, wie unhöflich!

Ja, ich weiss, der Begriff Aussteuer ist antiquiert, und deshalb haben die Torfköpfe von Versicherungsentwicklern diese ganze, sehr sinnvolle Versicherung einfach nicht mehr angeboten. Das wurde dann einfach abgeschafft. Zu schwierig vieleicht. Niemand hats bis heute kapiert?

Wir kaufen uns lieber Bestandspöstchen anderer Versicherungen auf und bieten denselben alten Müll an wie immer. Unfallversicherungen, Risikoversicherungen. En Masse. Die Masse bringt das ganz große Geld, nicht die Qualität. Und je weniger realistisch und sinnvoll die Versicherungen sind, desto lieber. Über eines der skurrilsten Produkte haben wir bereits berichtet, hier ist der Link auf den Beitrag „Der Platz auf dem Friedhof (Friedhofsversicherung)! Denn die Versicherungen bekommen dann Geld füs Nichtstun. Ein alter Menschheitstraum geht in Erfüllung. Für die verd.. Versicherungen aber nur, nicht für die, die wirklich etwas zu versichern haben!

Die Aussteuer im traditionellen Sinne gibt es natürlich so gut wie nicht mehr. Auch das ist mir bekannt. Es gibt aber noch eine Ausbildung, die wichtiger ist als je zuvor, und es gibt eine Heirat, vieleicht.

Unsere Kinder werden im Alter zwischen 18 und 25 Jahren fast mit Sicherheit einen höheren Bedarf nach zurückgelegtem Geld haben.

Sie brauchen Geld fürs Studium, sie wollen ein Haus bauen, sie brauchen eine Zusatzausbildung. Sie brauchen ein erstes Auto. Und wenn sie mal heiraten, dann kostet eine anständige Hochzeitfeier alleine locker mal 2.000 Euro, eigentlich eher gegen 5.000 Euro.

Irgendwo muss das Geld her kommen, und so etwas sollte einen jugen Haushalt eigentlich nicht als erstes als Klotz belasten. Vieleicht wäre das später einmal ein Päckchen weniger, das wir einem jungen Paar mitgeben können.

Insoweit macht es durchaus Sinn, in einer speziellen Versicherung Geld für die Kiddies so früh wie möglich wegzulegen, das diesen später zufließt und diesen im Leben hilft, bzw. um den Zeitraum zwischen dem 18. Geburtstag und dem 25.ten.

Ganz besonders in Situationen, in denen die Eltern nicht verheiratet sind, kann man auch daran denken, im gegenseitigen Übereinkommen z.B. auch Teile des Unterhalts dazu anzulegen.

Wenn die nicht verheirateten Väter schon zum Unterhaltszahlen ohne Repräsentation vergewaltigt werden, dann wäre es doch auch für diese schöner, so sicherstellen zu können, dass das sauer erarbeitete, steuerlich nicht abziehbare Geld, das der Vater selbst niemals sieht, nicht ausgegeben wird für die verd… Zigaretten der Kindesmutter und für den Luxusurlaub der Kindesmutter mit dem neuen Liebhaber, während die Kinder an Dritte zur „Aufbewahrung“ vergeben werden und dem Kindesvater entzogen bleiben. Sollte eigentlich Gesetz sein, wie die Pflicht-Rentenversicherungen.

Auch Grosseltern würden für solche sinnvollen Versicherungen ganz sicher gerne einige Beiträge zuschiessen. Dabei muss aber sichergestellt werden können, daß das Geld einzig und alleine nur dem Kind zufließt, und nicht etwa dem – möglicherweise verhassten – Schwiegersohn oder der Schwiegertochter (z.B.), oder deren Sippe. Oder sonstigen „Aasgeiern“. Sonst bleiben die Großeltern lieber darauf sitzen, bis sie selbst tot sind. Und das kann heutzutage noch ein paar Generationen dauern, und vieleicht auch die Lebensdauer der Enkel! Ausserdem erbe ich das Geld dann erst einmal selbst. Und das Geld wird dann vieleicht meiner Tochter weggepfändet. Oder es wird dann dringend für irgend etwas anderes benötigt, wie es so kommt, im Leben. An Geld, das erst einmal verbindlich weggelegt ist, vergreift man sich nicht so schnell und leicht.

Wir hätten es eigentlich mit einem durchaus spannenden und hochaktuellen Versicherungs- und Bankenprodukt zu tun. Wichtiger denn jeh, angesichts des Zusammenbrechens bzw. Versagens der öffentlichen Rentenwirtschaft und des „Generationenvertrags.“ Den haben wir in einem früheren Beitrag bereits gekündigt.

Mit Elementen von Risiko-, Spar-, Ratenzahlungs- und Kapital/Lebensversicherung. Und ein kleines Vermächtnis dürfte es aus erbschaftssteuerlicher Sicht wohl im Ergebnis auch sein.

Solche einen Vertrag gibt es aber wohl nur leider nicht (mehr). Wir müssen ja modern sein, so antiquiertes Zeug, das brauchen wir nicht. Frei, wie die Vögel, möchten wir sein, und flattern einfach so von Ast zu Ast. Tatü, tata.

Theoretisch wäre das hier Gewünschte in der Grundstruktur einigermaßen leicht machbar durch eine Kombination aus Sparvertrag der auf das Kind läuft, sowie eventuell mit Sondervereinbarungen hinsichtlich des Auszahlungszeitpunktes und zusätzlich denkbarer Risiko- und Lebensversicherungselementen.

Vieleicht noch eine Option zur weiteren Kombination mit einer Kapitallebensversicherung, wenn der Zahlende vor Fälligkeit stirbt, das muss aber noch nicht einmal unbedingt sein.

Sichergestellt werden müßte, daß in Krisensituationen in diese Beträge nicht hineingepfändet werden darf, daß eventuelle Insolvenzen beider Eltern das Geld des Kindes nicht gefährden, und daß auch die gegenseitigen Interessen- und Gläubigergruppen nicht auf das zurückgelegte Geld zugreifen dürfen. Unter gar keinen Umständen. Ferner muss es Möglichkeiten geben, den Vertrag in Zeiten der Geldnot aussetzen zu können.

Und wenn ich früher sterben sollte, dann möchte ich nicht, daß das Geld an irgend eine Erbengemeinschaft fällt. Auch nicht an meine eigenen sonstigen glücklichen Erben, wer das auch immer einmal sein wird! 🙂

Das würde es aber, wenn ich eure g..tverd … Kapitallebensversicherung abschliessen würde.

Dazu muß dick und fett drüber stehen: Ausbildungsversicherung zu Gunsten von:

Name der Tochter, Sorgeberechtigt: …

Das ist ein eigenes Produkt. Bzw. sollte es eigentlich sein. Wenn wir nur irgendwo ein Gehirn fänden.

Ich möchte jeden Monat 50 Euro darauf einzahlen. Und es ist sicher gestellt, daß eines Tags mein Töchterchen einen kleinen Zuschuss zu ihrem Leben bekommt. Von Eltern, und von Grosseltern, die etwas weiter denken konnten als andere. Wenn ich bis dahin (entgegen meiner Pläne) tot sein sollte, denkt sie vieleicht an mich. Oder an die Großeltern. Eine schöne Vorstellung.

Und ich möchte wissen, was es kostet. Wieviel bezahle ich, wieviel bekommen eure Vertreter, wieviel zahle ich für das Risiko, wie viel wird im Ergebnis meinem Töchterchen ausgezahlt. Mindestens, Höchstens, oder voraussichtlich. Ist das so viel verlangt???

Gerade bekam ich noch einen Anruf, „wegen Ihrer Altersvorsorgeversicherung.“ Von einer Versicherungsvertreterin, die ganz überrascht war, warum ich so unhöflich wurde. Ich habe sie gebeten, meine Daten zu löschen und habe sie gebeten, mich nie wieder anzurufen.

Ich gebe auf. Ich wandre aus. Fragt sich nur noch, wohin. Irgendwelche Vorschläge? Schweiz?

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