Anonyme Bewerbungen auch in Deutschland – viel zu spät?!

Bei begehrten Positionen und Stellen gehen heutzutage locker weit über 100 Bewerbungsschreiben bei deutschen Unternehmen ein.

Zur Auswahl der Besten und Geeignetsten gibt es eigene Abteilungen in den Unternehmen, die Personalabteilungen. Wenn man es hochrechnet, dann ist sogar die Entscheidung über eine einfache Hausmeisterstelle, mit einem Fixgehalt auf Lebenszeit hinweg gerechnet, eine Millionen-Euro-Entscheidung (grob über den Daumen gepeilt 2.000 x 12 x 50 = 1,2 Mio. Euro, natürlich noch abgezinst, zuzüglich Sozialleistungen). Nicht nur bei Günter Jauch, sondern im Alltag deutscher Unternehmen.

Nehmen wir einmal an, natürlich rein fiktiv: Manche Personalsachbearbeiter in deutschen Großunternehmen, und auch in Ministerien, Behörden, Verwaltungseinheiten, bei den Staatsanwaltschaften, den Gerichten, den Justizbehörden, etc. machten „pflichtgemäß“ oder „auftragsgemäß“, vieleicht auch aus eigenem „gesunden Volksempfinden“ heraus von vorne herein zwei große Haufen von Bewerbungsschreiben.

Einen großen Haufen mit Frauen und älteren Bewerbern, mit „dem Neger“, „Zigeunern,“ Behinderten, Ausländern und nicht zuletzt mit dem mit der jüdischen Nase. Ach nein, der politisch korrekte Ausdruck dafür wäre woh eher „ethnische Minderheiten.“ Übrigens durchaus auch denkbar mit den Männern – das könnten wir uns zum Beispiel auch gut als Standard-Vorgehensweise im „Ministerium für Frauen, Familien, Senioren und Jugend“ vorstellen – natürlich nur aus sachlichen Gründen (!!!!)), Zitat des BmJ: „Hier handelt es sich um eine gewünschte inhaltliche Hervorhebung einzelner Personengruppen, also um eine Diskriminierung im wertfreien und wörtlichen Sinne vergleiche dazu unseren früheren Beitrag). Da wählen wir uns doch glatt im wertfreien wörtlichen Sinne erst einmal alle Frauen zur gewünschten inhaltlichen Hervorhebung heraus.

Und da hätten wir eine Selektion eines zweiten, vergleichsweise kleineren Haufens. Vieleicht sollten wir diesen Haufen nennen: „natürliche Vorauswahl der Bewerber nach gesunden rassistischen und völkischen Kriterien“. Nein, nennen wir es lieber eine „gewünschte inhaltliche Hervorhebung einzelner Personengruppen,“ vielen Dank für den euphemistischen Ausdruck, wie Recht Sie damit doch haben, so etwas lieben wir. Wie sauber das klingt. Wie deutsch!

„Ausmisten,“ ja, so heisst das bei uns deutschen Profis im Personalwesen. Andere ähnlich „nette“ Auswahlkriterien gäbe es da natürlich auch. Bei einer recht bekannten Schauspielerin hätten wir etwa als hochverantwortliches Auswahlkriterium das der Bewerberin mit der größten Oberweite anzubieten. Die deutschen männlichen Fernsehzuschauer würden vermutlich alle recht einstimmig bestätigen: das wäre ein sehr gutes Auswahlkriterium. Und Silikon gibts schließlich ja auch noch genug in Deutschland, so dass insoweit auch der Schönheitschirug für Gleichberechtigung hätte sorgen können. Zurück zum Verfahren der Bewerberauswahl.

Der erste Haufen würde nun „auftragsgemäß“ alphabetisch geordnet, säuberlich gestapelt, und dann postwendend in neutralem Umschlag an die Bewerber/innen direkt wieder zurück geschickt, obenauf ein höfliches vorformuliertes Ablehnungsschreiben des Personalsachbearbeiters mit dessen kopierter Unterschrift. Der letzte Satz fängt an mit: „wir wünschen Ihnen für Ihre weitere berufliche Laufbahn alles Gute …“ – Als ob der aussortierte Bewerber längere Zeit krank gewesen wäre.

Alle anderen in dem zweiten Haufen kommen nun in die engere Auswahl im „freien Wettbewerb“ um die begehrten, unkündbaren Stellen und Pöstchen im Schosse staatlicher, noch nicht einmal mit dem Tode endenden Fürsorge öffentlicher Dienstherren, bzw. der von deutschen Grossunternehmen.

Ein noch kleineres Häufchen nennen wir dann einmal „Vitamin B“. Aber das ist eine andere Geschichte.

Derartige „Zwei-Haufen-Selektion“ ist natürlich sicherlich eigentlich klassische Diskriminierung, und nicht ernsthaft diskutabel. Aber in der Praxis ist es halt de facto so gut wie nicht nachweisbar. Und was wir nicht beweisen können, gibt es auch nicht, in Deutschland. Den ersten Haufen gibt es also ja schon gar nicht mehr. Der „Neger“ war halt einfach schlechter qualifiziert. Nun beweist uns mal das Gegenteil, Hö, hö, hö. Theoretisch vermeidbar wäre das eigentlich schon gewesen, und zwar ziemlich leicht. Einerseits gäbe es natürlich – für verantwortliche Unternehmer – interne Kontrollen, die das verhindern würden. Wenn man es überhaupt verhindern möchte. So z.B. die Diskussion in Gremien über die Auswahl, wobei dafür Sorge getragen werden muß, daß derartige Fehlauswahl intern unmittelbar an die Geschäftsleitung berichtet werden kann, ohne Sanktionen befürchten zu müssen. Aber welches deutsche Unternehmen hätte derartige Strukturen schon aufzuweisen. Oder halt eben Bewerbungen ohne derartige „sensitive“ Angaben.

Insgesamt 5 deutsche Unternehmen sollen das nun „testen,“ das „new kid on the block“. So neu ist das Kind nun eigentlich auch wieder nicht, was uns da präsentiert wird. International eher schon ziemlich angestaubt. Pust. Aber für Deutschland – leider – immer noch vollkommenes Neuland. Naja, wir leben schließlich auch auf einer einsamen Insel im Ozean, und sind vollkommen abgeschnitten von allen Informationen, die den internationalen Stand der Grund- und Menschenrechte anbelangen, und den Schutz von Minderheiten. Wir Armen. Unser Motto: wir haben die Augen schon ganz feste zugekniffen, und sehen immer noch keinerlei Diskriminierung!

Bei den Bewerbungen weggelassen werden sollen/ müssen Informationen über Alter und Geschlecht der Bewerber, sowie das bisher übliche Bewerbungsfoto.

Ziel ist es, sich zu bewerben, ohne gezwungen zu werden, gleich alle zur Diskriminierung erforderlichen Informationen geben zu müssen über das eigene:

Alter, Geschlecht und die Rassenzugehörigkeit (vgl. aber Art. 3 GG)

Alter und Geschlecht sind bisher „Pflichtangaben“ bei allen Bewerbungen in Deutschland, die Rasse bekommen wir sofort heraus über das Bewerbungsfoto. Super. Klasse.

Mehr Information braucht so ein richtiger deutscher Rassist doch nicht, um eine geeignete Vorauswahl an Bewerbern zu treffen. So kennen und lieben wir unser Heimatland.

Besonders „mitfühlende“ Personalchefs würden nun vielleicht noch zynisch einwenden, man erspare den so Ausgegrenzten doch nur späteres Mobbing bei der Arbeit. Ja, fürsorglich, wie wir sind, ersparen wir denen dann auch gleich das ganze spätere (Arbeits)Leben.

Natürlich, spätestens beim Bewerbungsgespräch, wird zumindest das Geschlecht, das Alter und die Rasse der Bewerber/innen nicht mehr ganz zu verstecken sein. Dann kann man aber hoffen, daß hier andere, verantwortungsvolle, Entscheidungsträger mit einem weniger rassistischen Hintergrund (mit) zu entscheiden haben. Und vor allem können und müssten da dann über den persönlichen Eindruck die wirklich entscheidungsrelevanten Kriterien für den Arbeitgeber zumindest mit berücksichtigt werden.

In anderen – freiheitlicheren- Ländern, allen voran die USA, ist schon längst ein uralter Hut. Geradezu peinlich, daß Deutschland erst jetzt auf den Trichter kommt.

Und auch ein Zeichen für kulturelle und menschenrechtliche Rückständigkeit. Ein Zeichen für Professoren, die fehl am Platz sind, Gesetzgeber, und Richter, die ihre Arbeit mindest 20 Jahre lang nicht getan haben. Denen selbst fristlos dafür gekündigt werden müßte. Wenn das nur ginge!

Angetrieben nicht etwa durch unsere Verfassungsrichter, denen Artikel 3 GG etwas mehr bedeuten würde, als die eigene lebenslang garantierte dicke Überweisung von geliehenen Geldern des deutschen Volks, spätestens zum dritten jeden Monats, auch nicht durch den Gesetzgeber oder weitsichtige Forscher in dem früheren Land der Dichter und Denker, und erst recht nicht durch irgendwelche sonstigen Richter und Henker oder sonstige hoheitliche Geldempfänger am Tropfe öffentlicher Mittel.

Nein, höchst widerwillig und auf internationalen Druck hin, wurde 2006 das AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) eingeführt, das inzwischen auch zu diesen neuen Erkenntnissen führte.

Im Jahre 1990, also vor 20 Jahren (!), gehörte diese Bewerbungsform in den USA bereits zum allgemeinen Standard bei schriftlichen Bewerbungen. Zum Schutz vor Diskriminierung bewarb man sich schon damals nur mit dem Anfangsbuchstaben des Vornamens, ohne Bewerbungsfoto und ohne Geburtsangaben. Andernfalls bekam man seine Bewerbung postwendend wieder zurück!

Bewerbungen nach diesen Kriterien wären in Deutschland 20 Jahre lang als unvollständig den Bewerbern/-innen wieder zurück geschickt worden!

Wat dem eenen sin Uhl, is dem anderen sin Nachtigall.

Und hier in Deutschland versuchen einige Dösköppe immer noch ernsthaft, über das OB derartiger Anti-Diskriminierungsmassnahmen zu diskutieren. So wie bei der – immer noch bestehenden – mittelalterlichen Zensur der Meinungsfreiheit. Wir Deutschen halten halt viel von Traditionen. So sind wir nun mal.

Und: Diskriminierung gibt es ja bei uns gar nicht. Wir sind doch das klassische Land, in dem es keine Diskriminierung gibt. Ja, es hat sogar noch niemals Diskriminierung gegeben. Bei uns, in Deutschland. Nach dem zweiten Weltkrieg. Vorher auch kaum der Rede wert. Oder sollten wir besser sagen, richterliche Verurteilungen wegen Diskriminierung hat es noch nie gegeben? Wer etwas anderes behauptet, wird auf der Stelle strafrechtlich verfolgt. Da haben wir ganz strenge Grundsätze. Und eine Unmenge Gesetze. Verleumdung, Beleidigung, falsche Verdächtigung. Da sind wir ganz, ganz super drin. Weltmeister. Und der wird sofort in die Datenbank der Polizei POLAS aufgenommen, mit Geburtsdatum, Geschlecht, und Angaben über die Rasse. Bei uns, in Deutschland. Was brauchen wir da noch richterliche Verurteilungen?

Halllooo irgendwo noch ein Gehirn zu erreichen? Wir befinden uns im Jahre 2010!!!! Den Kaiser gibt es nicht mehr, und der zweite Weltkrieg ging auch verloren.

Wie gesagt, international ist das eigentlich nur noch peinlich. Na, immerhin gab das (mindestens dem Verfasser dieses Beitrags) Gelegenheit, eine Behörde kennen zu lernen, der übertriebener Aktivismus bisher sicherlich nicht vorgeworfen werden kann. Aber es ist eine verhältnismäßig junge Behörde, und der Ansatz ist sicherlich richtig. Also weiter so!

Her gehts zur Anti-Diskriminierungsstelle des Bundes:

http://www.antidiskriminierungsstelle.de/ADS/Antidiskriminierungsstelle/aktuelles,did=142552.html

Den Link brauchen wir übrigens eigentlich gar nicht. Denn, habe ich das eigentlich schon erwähnt, Diskriminierung gibt es bei uns in Deutschland ja gar nicht. – Wir belieben schließlich nur – vollkommen politisch korrekt, – einzelne Personengruppen inhaltlich ein bischen hervorzuheben, und – versteht sich von selbst – dadurch andere Personengruppen inhaltlich ein bischen herabzuwürdigen!

Beitrag und Copyright 2010 von:

Anif Press Info
Per Email an: Rechtsanwalt@anif.de

Zu grundsätzlichen Fragen der offenen und verdeckten/verlogenen Diskriminierung und den „Tuschelrassismus“ in Deutschland haben wir bereits einen Beitrag geschrieben:

http://rechtsanwalt-andreas-fischer.de/2010/01/21/nachdenken-uber-methoden-der-diskriminierung/

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