Bewertung/Evaluation der Lehrer und Professoren

an amerikanischen Schulen und Universitäten durch Schüler und Studenten im Vergleich zu Europa

An amerikanischen Schulen und Universitäten ist es selbstverständlich, daß die Schüler und Studenten systematisch befragt werden und durch ihr aktives Feedback (Rückmeldung) zur Verbesserung und Bewertung/Evaluation des Unterrichts und der Vorlesung beitragen. Zur Demokratie, der Volksherrschaft, gehört es auch, daß die Belehrten den Belehrenden Lehren erteilen können. Dadurch werden unter dem Strich Unterricht und Lehre inspiriert und zu besserer Qualität vorangetrieben.

Es gehört auch zu einer funktionierenden Lehre, daß nicht nur die Schüler und Studenten in einem gesunden Wettbewerb miteinander liegen, sondern auch die Schulen und Universitäten.

Früher war das sogar der Fall, denn die „Wanderstudenten“ suchten sich die besten Professoren europaweit zunächst einmal aus, um bei diesen ihre Studien zu betreiben. Von solch einer „Abstimmung mit den Füßen“ ist Europa heute inzwischen leider meilenweit entfernt.

Bis nach Europa hat sich das System des Feedbacks durch Schüler und Studenten nur ganz sporadisch herumgesprochen. An den deutschen Universitäten sind die – mit lebenslänglichen unkündbaren Stellungen „bedachten“ – Professoren an der Meinung der Studenten im großen und ganzen nicht interessiert. Warum auch. Das könnte ja nur stören. Noch weniger die Lehrer. Das Geld fließt ja auch so mittels monatlichen Dauerauftrags in unsere Taschen (die wenigen Ausnahmen, die es selbstverständlich gibt, mögen diese Pauschalbewertung verzeihen!). Dadurch ist das gesamte System der Lehre in Europa vergleichbar mit Boxern, die im Dunkeln Schläge austeilen und keine Ahnung haben, ob die Schläge auch wirklich treffen und wo.

Der Lehrplan / Vorlesungsplan wird von Behörden vorgegeben bzw. genehmigt und ist einzuhalten. Punkt. Die Zulässigkeit der schulischen Evaluation z.B. über Internetbewertungsportale für Lehrer wurde gerade mit ach und krach juristisch durchgesetzt.

Hier ist der Link auf spickmich.de, bei dem es bereits größere juristische Schlachten gab über die Zulässigkeit der Lehrerbewertung. Nach letztem Stand der Dinge hat der Bundesgerichtshof die Revision einer Lehrerin aus Moers wegen „schlechter Noten“ im Juni 2010 zurückgewiesen. Das ist endlich mal eine höchstrichterliche deutsche Entscheidung, die wir mit gutem Gewissen mit unterschreiben können.

Nicht nur die Lehrer und Professoren, sondern auch die Schule bzw. Universität können dort bewertet werden. Das ist ein sehr erfreulicher erster Schritt in Richtung auf Basisdemokratie.

Ganz unkritisch ist dieser Vorgang auch nicht zur Kenntnis zu nehmen. So bestimmt sich in Amerika die Auswahl der Eliteschulen nicht notwendiger Weise nur nach den akademischen Qualitäten der Universitäten. An der „DUKE“ Universität bzw. der Schwester UNC (Universität of North Carolina) ist z.B. bekannt, daß jede gewonnene Meisterschaft im Basketball oder Baseball/ Football ca. 10.000 neue Studenten anspült. Das Gewinnen derartiger Meisterschaften hat aber sicherlich auch nichts mit der Qualität von Forschung und Lehre zu tun! Und reiche Eltern entsprechender Wackelkandidaten sollen auch schon mal so eben ganze neue Lehrstühle gespendet und auf Jahre hinweg finanziert haben. Bei der Auswahl der Rektoren der Universitäten ist ganz wesentlich und mit entscheidender Faktor die „fund-raising ability“, die Fähigkeit, für europäische Verhältnisse riesenhafte Summen an Spenden zugunsten der Universitäten aufzutreiben.

Vorlesungen und Unterricht werden in Deutschland leider noch zu ganz großem Teil immer noch nach dem „Prinzip Müllschlucker und Ackergaul“ aufgebaut. Das war uns ein eigener Beitrag wert. Der Lehrer/ Professor wirft vor, und die Schüler/Studenten müssen schlucken, wie große Müllcontainer. Der größte Müllschlucker, mit abgestelltem Würgreiz, und der lahmste Ackergaul, der mit den Scheuklappen vor beiden Augen, ist dann der beste Schüler bzw. Student, am Ende.

Leider ist damit das mit der Evaluation verbundene, entsprechende Know How noch lange nicht nach Europa durchgedrungen. Wenn man im allgemeinen von einem Wissens- und Lehrrückstand in Europa von ca. 10 Jahren gegenüber den USA ausgehen kann, so befindet sich Deutschland damit immer noch etwa auf Nachkriegsniveau. Es hat sich hier noch so gut wie überhaupt nichts bewegt. Einige der neueren privaten Bildungseinrichtungen (z.B. Europa Campus) unternehmen einige erste zaghafte Versuche, die jedoch insgesamt als unzulänglich zu bewerten sind. So wurden (geheim gehaltene) Auswertungen über Professoren von anderen Professoren heimlich durchgeführt, und von Studenten geschrieben, die noch nicht einmal an den entsprechenden Lehreinheiten teilgenommen hatten, als vom Hörensagen! So etwas ist ein schlicht unmögliches Vorgehen. Anerkannte Regeln haben sich aber insgesamt in der europäischen Lehrlandschaft, soweit erkennbar, diesbezüglich noch keineswegs durchgesetzt. Es besteht noch nicht einmal ein Problembewußtsein für die Methodik der Evaluation. Mit der typisch deutschen anmassenden Selbstverständlichkeit von Dilettanten wird überall einfach davon ausgegangen, dass man das schon könne.

Daher sollen hier strukturell die Vorgaben und Kriterien aufgezählt werden, die einen Mindeststandard einer „tauglichen“ Evaluation erfüllen müssen:

Evaluieren dürfen natürlich nur Studenten, die bis zum Ende an einer Lehreinheit teilgenommen haben. Sonst kann man mit Sicherheit annehmen, daß die Auswertung durch eine Person vorgenommen wurde, die dazu gar nicht in der Lage ist. Die Evaluation muß anonym sein, um Revancheaktionen (positiv und negativ) durch die Lehrkräfte zu vermeiden. Es muß ferner sicher gestellt werden, daß die Evalationen nicht in die falschen Hände geraten, das darf nicht durch „Kollegen“ mißbraucht werden zum eigenen Vorteil. Und die Lehrkräfte müssen eine Chance erhalten, die Kritik der Studenten zur Kenntnis zu nehmen, um den Unterricht entsprechend ausrichten und verbessern zu können. Auch das gehört zum europäischen überheblichen, dummen Denkansatz der Lehre: Professoren haben perfekt zu sein, sie brauchen keine Verbesserung. Dadurch wird konstruktive Arbeit in der Lehre im Keim erstickt. Tatsache ist doch in Wirklichkeit, daß der beste Lehrer nicht der ist, der perfekt ist, sondern der dauernd an seiner Perfektion arbeitet. Ein Professor oder Lehrer, der Fehler offen zugibt und daran arbeitet, sie auszubügeln, ist uns jedenfalls 1.000 mal lieber als jemand, der behauptet, perfekt zu sein, und geradezu armselige Arbeit abliefert, und alle Kritik daran vertuscht.

In den USA stehen am Ende der Semester die „Finals“, die Abschlussexamen. Daher werden die Fragebogen mit der Evaluation der Professoren in der letzten Vorlesung von den Professoren selbst ausgeteilt. Die Studenten füllen diese Fragebogen aus, und ein von den Studenten gewählter Vertrauensstudent sammelt sie ein und bringt sie unmittelbar an den Head des „Department“, an die jeweilige Leitung des betreffenden Lehrstuhls. Dort werden die Fragebögen ausgewertet und registriert. Anschließend erhält der Lehrer/ Professor diese Fragebögen zum Verbleib.

Mit solch einem System kann Manipulation so gut wie ausgeschlossen werden. Der Lehrer/ Professor erhält ein unmittelbares Feedback, ebenso wie die Universität/ Schule.

Die Fragebögen enthalten zunächst einen spezifischen Teil der sich auf gewisse Unterrichtsteile bezieht.

Wichtiger sind dann auch die Fragen, die sich auf den Unterricht, auf die Lehrmethoden und auf den Lehrer beziehen, wie etwa:

Was halten Sie für die Schwächen/
Was halten Sie für die Stärken des Unterrichts?
Was halten Sie vom Lehrmaterial?
Was halten Sie von den Lehrmitteln?
Welche weiteren Maßnahmen und Änderungen zur Verbesserung des Unterrichts schlagen Sie vor?

Der Fragebogen enthält schließlich eine Bewertung der gesamten Leistung der Lehrkraft (z.B. auf einer Skala von 1 bis 10) insgesamt, sowie eventuell noch aufgegliedert in z.B. pädagogische Fähigkeiten, Freundlichkeit, Zugänglichkeit, etc..

Dies gibt den – an Eliteuniversitäten natürlich sehr anspruchsvollen – Studenten die Möglichkeit, ganz konkrete Vorschläge zu machen und sich so ganz aktiv in den Unterricht/ die Vorlesung einzubringen. Das Gegenargument, daß dann im Ergebnis Professoren die Oberhand gewinnen, die sich zu sehr um die Gunst der Studenten buhlen, dürfte nicht stichhaltig sein. Wie bei der Demokratie üblich, zeigen die Studenten in ihrer Masse sehr wohl, wer lediglich Schaum schlägt und wer Inhalte vermittelt.

Auch das Risiko, persönlich gefärbte, parteiische Bewertungen zu bekommen, ist für die Lehrer und Professoren hinnehmbar. In einer zunehmend demokratischen, verantwortlichen Gesellschaft ist dieses Risiko genau dasselbe, wie das, das jeder Schüler hinnehmen muß, nämlich an einen derartigen Lehrer zu geraten, der willkürlich bewertet. Das kann man auch mit allgemeinen Selektionsverfahren vermindern, indem z.B. erkennbar unfaire „Extrembewertungen“ eliminiert werden.

Hier geht es zum Link auf eine der (vorbildlichen) amerikanischen Rating-Websites:

http://www.ratemyprofessors.com/

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