Kündigung des Generationenvertrags

Dieser Eintrag stammt von admin Am 22.2.2010 @ 22:15

Sehr geehrte alte Generation,
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

in der Schule habe ich gelernt, daß der sogenannte Generationenvertrag darin besteht,
dass die junge Generation immer für die alte Generation zu sorgen hat. Das nennt man
Generationenvertrag. Von Bismarck soll das herkommen. Nicht dem Hering, dem
Reichskanzler.

Das haben Sie und die Generationen vor Ihnen zu Lasten meiner Generation auch so
beschlossen. Mit ein paar unbedeutenden Änderungen, “Drei-Generationenvertrag”
nennen Sie das jetzt, oder “Umlageverfahren”. „Versicherung gegen Kinderlosigkeit“ ist
ein anderer Begriff dafür. – Wer nicht in Kinder investiert, kann sich diesen Verzicht
darauf, für sein Alter zu sparen, nur deshalb leisten, weil die Kinder anderer Leute später
gezwungen werden, für ihn mitzusorgen.

Ein Vertrag zu Lasten Dritter ist aber, wie ich auch in der Schule gelernt habe, nach
allgemeinen Grundsätzen unzulässig.

§ 328 BGB erlaubt nur Verträge zugunsten Dritter.

Verträge zu Lasten Dritter sind nicht zulässig . Das kann man daraus im Umkehrschluss folgern.

Und das ist auch ein allgemein anerkanntes Rechtsprinzip.

Sie haben aber nun aber den “Generationenvertrag” einfach so abgeschlossen, oder von den alten Generationen einfach übernommen, ohne meine Meinung oder mein Einverständnis dazu einzuholen.

Ich bin damit nicht einverstanden. Ich weiß, das ist Ihnen vollkommen Wurst. Und schließlich haben wir mindestens 9 Jahre lang in der Schule gelernt, warum Ihnen das vollkommen Wurst sein kann. Wir sind das deutsche Volk, und damit bin ich Ihr Hanswurst.

Statistisch haben wir in Deutschland mittlerweile ca. 40 Prozent alte Generation
(Pensionäre und Rentner), 10 % Arbeitlose (Hartz IV), 10 Prozent nicht produktive
Hausfrauen und Hausmänner, 10 Prozent nicht produktive staatlich bezahlte Richter,
Soldaten, Professoren, Lehrer, Polizisten und sonstige Beamte, 5 Prozent nicht produktive
Politiker, 5 Prozent nicht produktive Frührentner und krank Geschriebene sowie streikende
Gewerkschaftsmitglieder, 10 Prozent Kinder, 9,999999999 Prozent nicht produktive
Studenten. Alle diese meinen, Sie hätten ein Recht darauf, nichts produktives zu tun und
sich lieber von anderen bezahlen zu lassen. Wir haben also eine Gruppe von “Schlauen”
und eine – immer kleiner werdende – Gruppe von Dummköpfen, die für andere arbeiten
wie die Sklaven, ohne es auch nur zu merken und ohne sich dagegen zur Wehr setzen zu
können. Wer soll das ganze Geld für Ihren Generationenvertrag denn eigentlich noch
verdienen?

Es bleiben meiner Einschätzung nach im Ergebnis nur noch übrig Sie und ich. Und Sie
haben ja auch schon gesagt, Sie beschäftigen sich lieber mit “Führungsaufgaben.” Das ist auch eine unproduktive Tätigkeit, wie ich das so sehe.

Ich muss somit feststellen, dass ich damit wohl der Einzige in ganz Deutschland sein
dürfte, der versucht, den Generationenvertrag noch durch Arbeit und produktive Tätigkeit zu erfüllen. Ca. 84 Millionen Personen verlangen da monatliches “Grundeinkommen” von rund 1.000 Euro von mir. Das sind also jährlich 12.000 Euro x 84 Millionen = 1.008.000.000 Euro, also rund tausend Millionen Euro oder eine Milliarde Euro. Für mich ist das sehr viel Geld. Sie müssen einsehen, dass mir das regelrecht unmöglich ist.

Vor allem, weil die alte Generation auch beschlossen hat, dass alles Geld, alles Vermögen,
Häuser, Autos, Fabriken, ganz alleine ihr gehört, ich habe davon überhaupt nichts
abbekommen. Auch das scheint Bestandteil Ihres wunderbaren Generationenvertrags zu
meinen Lasten zu sein.

Ach nein, das habe ich fast vergessen: mir wurde von der alten Generation im Wege der
vorweggenommenen Erbfolge ein achtel Grundstücksanteil unter Niessbrauchsvorbehalt
übertragen.

Nich etwa, daß ich davon jemals irgend etwas hätte. Nein, das ist ein „Steuersparmodell“ für die alte Generation. Und ein Grund, warum ich niemals qualifiziere für irgendwelche staatliche Unterstützung.

Das bedeutet auch, wenn die “alte Generation” für die ich sorgen muss, einmal
stirbt, also so ungefähr in 50 Jahren, dann bekomme ich einen “ideellen” Anteil an etwas,
das wirklich etwas wert ist. Ach, fast hätte ich es vergessen, davon muss natürlich
erst einmal Erbschaftssteuer bezahlt werden, oder Grunderwerbssteuer. Und dann darf ich gegen meine sieben Miterben einen Rechtsstreit führen, der vermutlich den Wert dieses ideellen Anteils auffressen wird. Wenn ich Glück habe, bleibt noch genug übrig, damit ich die bis dahin angefallenen Gebühren der nicht produktiven Verwalter, Administratoren und
Buchhalter, Richter, Finanzbeamten und Rechtsanwälte, nicht zu vergessen die Grundsteuern, die Gemeindesteuern, die Vermögenssteuern, die Umlagen der Stadt, sowie nicht zu vergessen die Steuerberater, Rechtsanwälte, und Vermögensberater bezahlen kann.

Also, insgesamt, habe ich bei Ihren wunderbaren Verträgen, die Sie da für mich oder
besser, zu meinen Lasten gemacht haben, keinen Pfennig oder auf Neudeutsch Cent mehr
übrig.

Das habe ich auch gerade dem Gerichtsvollzieher gesagt, den Sie mir geschickt haben,
um Ihre Forderungen mir gegenüber einzutreiben.

Bei meinem letzten Bewerbungsgespräch bei einem Vertreter der alten Generation wurden
mir gerade mal zwölf Euro pro Stunde angeboten.

Damit kann ich kaum mein eigenes Existenzminimum bestreiten und den stattlichen, äh
staatlichen Kindesunterhalt und an den Staat übergeleitete Ansprüche der Kindesmutter
vermutlich schon nicht mehr. Bisher habe ich mir das ja vom Munde abgeknapst. Aber,
wie Sie sehen, wenn ich auch Tag und Nacht ununterbrochen arbeite, kann ich ersichtlich
den Generationenvertrag nicht mehr erfüllen. Tut mir leid. Wir haben auch ausgerechnet,
dass Sie sogar den Hartz IV-Empfängern wesentlich mehr bezahlen, als ich jemals
verdienen könnte. Zu dieser privilegierten Gesellschaftsschicht möchte ich auch dazu
gehören. Ach ja, dazu dient aber der achtel vorweggenommene Erbtei unter
Niessbrauchsvorbhalt. Damit sicher gestellt ist, dass ich auch niemals diese Privilegierung
bekommen werde. Und die nicht produktiven Richter am Bundesverfassungsgericht haben
ja auch gerade gesagt, dass noch mehr Hartz IV gezahlt werden muss. Das kann ich gut
verstehen.

Leider sehe ich mich aber doch insgesamt gezwungen, den Vertrag mit Ihrer Generation
zu meinen Lasten

hiermit fristlos zu kündigen.

Sie sagen, das hätte alles seine Richtigkeit gehabt. Sie als Bundeskanzlerin machen
Gesetze und keine Verträge? Es sei ausserdem darüber “demokratisch”, wie Sie es
nennen, abgestimmt worden, und mit 99,9 Prozent hätten Sie sogar eine absolute
Mehrheit für die bestehende Regelung bekommen? Und ich müsste sowieso den Mund
halten, weil ich als Einzelner hier überhaupt nicht gefragt bin? Und Ihnen ginge es genau
so wie mir? Mag ja sein. Aber ich mache das nicht mehr mit. Basta. Ich trete hiermit in
den Streik. Mit meiner 0,00000000001 prozentigen Minderheit sage ich energisch,
nein.

Ich schlage vor, dass Sie und alle anderen endlich anfangen, auch zu arbeiten. Von nun
an sorgt jeder für sich selbst.

Sie sorgen dafür, dass die Altersvorsorge dadurch bestritten wird, dass jeder von früh auf sparen muss und Geld für das Alter zurück legt. Sie sorgen dafür, dass auch die anderen arbeiten. Wenn sie nicht arbeiten, dann bekommen die nicht mehr Geld, sondern weniger als ich. Das würde ich demokratisch nennen. Wenn zum Beispiel schon für die Kinder ein bischen angespart würde, sagen wir mal 5 Euro im Monat, dann käme da eine schöne Altersversorgung auf eine Lebenszeit gerechnet bei raus.

Das bekommt er dann auch im Alter. So machen es z.B. die Schweizer. Wer viel arbeitet,
bekommt dann auch viel. Wer wenig arbeitet, bekommt wenig. Auch und gerade im Alter.
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich nicht länger bereit bin, diesen Vertrag zu
meinen Lasten zu erfüllen.

Ich weiss, dass Sie selbst mit Ihrem Staatshaushalt auch bis über die Ohren verschuldet sind und, soweit ich weiss, überhaupt nichts dagegen tun.

Vieleicht geht das ja auch gar nicht mehr. Bei 1.523 Milliarden Euro sind meine eine winzige Milliarde Euro sicherlich Peanuts für Sie.

Und der Bundeszuschuss zum “Generationenvertrag” musste seit 1990 wegen fehlender
Einnahmen fast jährlich um inzwischen 80 Milliarden Euro erhöht werden. Ich sehe, Sie stehen für Kontinuität.

Aber was schert das denn Sie, solange die Diäten der Politiker nur ebenso schnell erhöht werden. Geld ausgeben, das man gar nicht hat, zu Lasten Dritter, am besten noch ungeborener
Generationen, das ist Ihr Ding, ich verstehe.

Dennoch, ich versichere Ihnen, ich kann bei Ihrem Lebensstiel noch nicht einmal die
Zinsen von den Zinsen von den Zinsen bezahlen, die Sie und die anderen 99
unproduktiven Prozent der Bevölkerung in Deutschland da ausgeben.

Vielleicht sollten Sie einfach ganz Deutschland für Hartz IV anmelden. So ähnlich, wie es
die DDR gerade getan hat. Vielleicht sollten wir uns ja mit Frankreich “wiedervereinigen”
und die Franzosen einen Solidaritätszuschlag zahlen lassen, die haben aber selbst nichts.
Griechenland versucht das ja offenbar im Augenblick mit seinem Staatsbankrott, hat sich
aber wohl international damit nicht so recht beliebt gemacht. Oder sollten wir vielleicht
wieder “zurück schiessen” um einen netten kleinen Krieg anzufangen? Das hatten wir ja
auch schon einmal. Reiche Minderheiten diskriminieren und ausrauben? Vieleicht allen
alten Leuten einfach das Geld wieder wegnehmen? wie alt waren Sie gleich nochmal, Frau
Bundeskanzlerin? Oder vieleicht sogar an das Geld in ausländischen Banken gehen,
Geschäfte machen mit Datendieben? Oder, wie in der russischen Revolution, alle
Nichtstuer, die keine Schwielen an den Händen haben, hinrichten lassen. Das sind aber
auch recht zweifelhafte Methoden. Überall gibts nur Ärger. Aber das bleibt ja Ihr Problem,
glücklicherweise.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und ein gutes Gelingen Ihrer „Führungstätigkeit“ wünsche ich Ihnen.

Mit freundlichen Grüssen,

Ihr (gez.)

Hans Wurst

Hier, was Wikipedia zum Generationenvertrag sagt:

http://de.wikipedia.org/wiki/Generationenvertrag

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